Ich habe mich wirklich drauf gefreut und hatte abends schon alles bereitgelegt für meinen Longrun, wie man es so nennt.
Das Ziel: zwischen 25 und 30 km laufen.
Die Nacht davor war jedoch nicht so erholsam, wie erhofft. Lio ist früh wach geworden. Und obwohl mein Körper eigentlich was anderes gebraucht hätte – Schlaf, Ruhe – war da dieses Kribbeln.
Ich wollte laufen.
Ich war auch ein bisschen nervös, ähnlich wie bei meinem ersten Halbmarathon.
Der Film dazu ist jetzt übrigens auch online.
Um kurz vor 9 ging es dann für mich los.
Die ersten Kilometer gingen leicht. Es war früh, die Luft klar. Ich lief an den Klippen entlang, und plötzlich war da dieses Gefühl von Weite und Freiheit.

Der Blick aufs Meer, das Rauschen, mein Atem – ich hab gespürt: Genau dafür mach ich das.

Die Beine liefen rund. Ich hatte Kraft. Freude. Hab mich durchgekämpft bis nach Albufeira, bin dann noch eine Schleife über die Klippen gelaufen, bis runter zum Hafen. Und von dort wieder zurück.
Und dann kam der Nieselregen.
Es wurde kalt.
Ich war durchgeschwitzt, zog mir was Trockenes an, aber mein Körper fing an zu kämpfen.
Ich hatte nur eine Handvoll Nüsse, einen Riegel und zwei Gels dabei. Ziemlich wenig, das wusste ich. Aber ich wollte testen, wie weit ich komme.
Als ich noch sechs, sieben Kilometer bis nach Hause hatte, wurden meine Beine immer schwerer, und ich war gerade 18 km unterwegs. I
Und trotzdem: Nach jedem Anstieg konnte ich wieder weiterlaufen. Nicht schnell, aber bestimmt. Ich hab Tempo gespielt, hab Abschnitte gesprintet, einfach um die Muskeln nochmal wachzurütteln. Rhythmuswechsel reinbringen. Nicht einbrechen.
Zu Hause angekommen zeigt die Uhr 23 Kilometer. Ich hätte einfach aufhören können. Aber da war dieser Stolz, der Ehrgeiz, diese leise Stimme: Lauf weiter. Wenigstens auf 25.
Ich hab mir die Tankstelle als Ziel gesetzt. Und auf dem Weg dahin wusste ich: Ich geh auf 30. Und ab da – ganz ehrlich – wurde es zäh. Richtig zäh.
Jeder Kilometer zog sich. Ich hab Pausen gebraucht, und als endlich, nach gefühlten Stunden, die Uhr 28 km zeigte, drehte ich um.
Der Körper sagte: genug.
Aber ich wusste: Es geht noch. Ich musste mich immer wieder neu motivieren, wieder anknipsen. Und dann hab ich mein Mantra gesagt. Immer und immer wieder:
Ich bin ein freier, bestimmter Mensch. Ich lebe mit meiner Familie in Wohlstand, Gesundheit und Liebe, wo wir wollen. Danke für dieses Leben. Danke für diese Freiheit. Danke für diese Fülle.
Und plötzlich lief es wieder. Nicht, weil’s leicht war. Sondern, weil ich mich daran erinnert hab, wer ich bin.
Die letzten 3 km waren hart. Doch erkannte ich, dass ich trotzdem rennen kann. Und genau dafür war es lohnenswert, über die erste Grenze hinwegzugehen.
Die letzten 700 Meter bin ich einfach gegangen. Ganz ruhig. Noch etwas auslaufen, ausschwitzen. Dann stand ich vor der Tür: 31 Kilometer. 4 Stunden 58 Minuten.

Mein längster Lauf bisher.
Ich war durch. Leer. Und gleichzeitig voller Erkenntnisse. Ich brauch mehr Salz – das weiß ich jetzt. Ab Kilometer 15 spätestens. Und ich brauch mehr Energie unterwegs, das nächste Mal.
Aber vor allem hab ich mir wieder gezeigt, dass so viel mehr geht, wenn ich mich dran erinnere, warum ich losgehe.
Darum hat mir Kristina auch ein neues Armband gemacht.

Bei allem, was ich gerade erlebe, bin ich überzeugt davon: Wo ein Wille, da ein Weg.
Doch wo Begeisterung und Überzeugung, da öffnen sich leichte und einfache Pfade.
Wenig wird ohne Anstrengung kommen.
Doch Anstrengung ist nicht gleichbedeutend mit unangenehm.
Diese Erkenntnis half mir sehr.
Bis zum nächsten Mal.
Kreiere ein geniales Leben,
Raphael
