Am Samstag geht es wieder zurück nach Deutschland.
Im Februar waren wir auch schon für eine Woche dort und das war richtig geil.
Die Woche war komplett vollgepackt mit Freundetreffen, gemeinsamen Aktionen und einfach richtig guter Zeit.
Dieses Mal bleiben wir etwas länger dort.
Dadurch wird sich alles ein bisschen mehr ziehen, nicht ganz so kompakt wie im Februar.
Aber genau darauf freue ich mich riesig.
Denn in Deutschland sind meine Freunde.
Und mit denen entstehen immer wieder Momente, die einfach hängen bleiben.
Im Februar waren wir zum Beispiel zwei Tage im Wald.
Wir haben ein richtig geiles Lager gebaut, über Feuer gekocht und einfach mal komplett runtergeschaltet.
Genau solche Dinge liebe ich.
Und wenn du sehen willst, was dort alles passiert ist, dann schau unbedingt mal ins neue YouTube-Video rein. 😄
Noch wichtiger:
Ein Tag noch, dann geht es los.
Mein wirklicher Test für den Swiss Alps 100.
56,28 Kilometer.
4244 Höhenmeter.
14,5 Stunden.

Wobei auf dem Bild mehr Höhenmeter stehen. Das ist falsch berechnet durch die Software, mit der ich die ganze Strecke geplant habe. Gerade bei solchen Läufen muss ich jede einzelne Passage durchgehen:
Wie lange brauche ich bergauf?
Wie schnell kann ich bergab laufen?
Wo verliere ich Zeit?
Wo kann ich Energie sparen?
Und am Ende entsteht daraus ein ziemlich realistischer Plan.
Zumindest hoffe ich das. 😄
Jetzt stellt sich natürlich die Frage:
Was nehme ich eigentlich mit, wenn ich einen ganzen Tag durch die Berge laufe?
Das Wichtigste ist die Ernährung.
Ich rechne mit ungefähr 80–100 Gramm Kohlenhydraten pro Stunde.
Dafür habe ich Riegel dabei, aber vor allem selbstgemachte Gels.
Insgesamt nehme ich ungefähr 1,5 Liter davon mit.
Alleine darüber komme ich schon auf rund 1500 Kilokalorien nur aus Kohlenhydraten.
Dazu kommen getrocknete Mangos, ein paar Feigen und verschiedene Riegel.
Nicht nur wegen der Energie.
Sondern auch, weil der Kopf irgendwann etwas anderes braucht als nur süße Gels.
Und genau das habe ich in den letzten langen Läufen gelernt:
Der Körper kann oft noch weiter.
Der Magen irgendwann nicht mehr.
Darum mache ich mir zusätzlich Brötchen.
Ein paar mit Steak.
Andere mit Käse, Butter und etwas Gemüse.
Nicht, weil das die perfekte Sporternährung ist.
Sondern weil es manchmal einfach etwas „Richtiges“ braucht.
Vor allem nach langen Anstiegen oder brutalen Abstiegen.
Wenn du mehrere Stunden nur Zucker konsumierst, dann merkst du irgendwann:
Der Körper will nicht nur Energie.
Er will auch Normalität.
Genau dafür sind diese Brötchen gedacht.
Da die Strecke so lang ist, kann ich natürlich nicht alles dauerhaft mittragen.
Deshalb habe ich mehrere Selbstversorgungsstationen (rote Taschen) eingeplant.
Die erste ist ein Supermarkt in Ötztal-Bahnhof nach dem ersten Berg.
Dort werde ich Wasser auffüllen und Essen nachkaufen.
Nach dem zweiten Berg deponiere ich mir Essen und Trinken irgendwo selbst.
In einer Tüte.
Gut versteckt.
Hoffentlich so gut, dass sie niemand findet …
aber auch nicht so gut, dass ich sie selbst nicht mehr finde. 😄
Und kurz vor dem Ende wartet nochmal eine kleine Station, damit ich nach dem langen Abstieg nochmal Wasser und etwas Nahrung habe.
Falls das mit den Depots schiefgeht, habe ich wirklich ein Problem.
Aber das wird dann erst relevant, wenn es soweit ist.
Ansonsten nehme ich genau das mit, was Sicherheit gibt:
Stirnlampe.
Ersatzbatterien.
Mütze.
Buff.
Regenjacke.
Wechselsocken.
Lange Kleidung.
Ersatzshirt.
Heute haben wir wieder gesehen, wie schnell das Wetter hier umschlägt.
Morgens warm.
Dann Regen.
Plötzlich richtig kalt.
Und wenn du auf über 2000 Metern stehst und das Wetter kippt, dann wird aus „unangenehm“ schnell gefährlich.
Deshalb packe ich alles wasserdicht ein.
Außerdem habe ich meine Stöcke dabei.
Mein Handy bleibt an, aber offline.
Falls Kristina mich erreichen muss.
Oder falls ich irgendwann jemanden anrufen muss, weil der Kopf komplett dicht macht.
Mit Felix habe ich schon gesprochen.
Vielleicht rufe ich ihn irgendwann einfach an, wenn ich keinen Bock mehr habe.
Wenn alles wehtut.
Wenn der Kopf anfängt Ausreden zu suchen.
Denn manchmal brauchst du keine neue Strategie.
Nur eine Stimme, die dir sagt:
„Zieh jetzt einfach weiter durch.“
Noch bin ich entspannt.
Aber ich merke langsam die Nervosität.
Denn genau das ist die große Frage:
Kann ich diese Menge an Höhenmetern bewältigen, ohne komplett einzubrechen?
50 Kilometer kann ich laufen.
2000 Höhenmeter kann ich laufen.
Aber beides zusammen?
Über so viele Stunden?
Das ist jetzt der Test.
Und gleichzeitig wahrscheinlich der wichtigste überhaupt.
Denn wenn ich das hier gut schaffe …
wenn ich danach vielleicht sogar schneller bin als geplant …
und wenn ich am nächsten Tag außer müden Beinen kaum Beschwerden habe …
Dann weiß ich:
Der Swiss Alps 100 ist möglich.
In Deutschland kann ich meine Ausdauer weiter ausbauen.
Mehr lange Läufe.
Mehr Radfahren.
Mehr Umfang.
Aber diese brutalen Anstiege hier in Österreich kannst du dort kaum simulieren.
Genau deshalb musste dieser Test hier stattfinden.
Ich freue mich riesig drauf.
Ich bin gespannt.
Und ich bin ehrlich:
Auch ein bisschen nervös.
Natürlich werde ich das Ganze filmen und immer mal wieder Updates auf Instagram teilen.
Und falls du das Ganze verfolgst:
Dann schreib mir gerne.
Vielleicht genau in dem Moment, in dem ich oben auf irgendeinem Berg sitze und denke:
„Warum mache ich diesen Scheiß eigentlich?“ 😄
Denn ich bin mir sicher:
Diese Nachrichten werden mir helfen.
Und genau das liebe ich daran.
Dass man solche Dinge zwar alleine läuft …
aber trotzdem nicht wirklich alleine ist.
Ich wünsche dir einen wunderschönen Abend.
Kreiere ein geiles Leben.
Let’s go!
Raphael
