Letzte Woche bin ich 30 Kilometer gelaufen.

Wenn ich heute darüber nachdenke, klingt das fast schon normal. Verrückt eigentlich. Morgen steht bereits der nächste lange Lauf an. Diesmal „nur“ 20 bis 25 Kilometer. Nicht klein wegen der Distanz, sondern weil kaum Höhenmeter dabei sind.

Wenn ich an Portugal zurückdenke, wo ich die ersten Male über 30 Kilometer gelaufen bin, fühlt sich das wie eine andere Welt an. Damals war jeder dieser Läufe ein echter Kampf. Körperlich, mental und emotional.

Wie genau das aussah, kannst du hier sehen.

Letzte Woche standen wieder 30 Kilometer auf dem Plan. Und ich wusste vorher schon: Das wird kein leichter Tag.

Am Morgen zuvor hatte ich ein intensives Krafttraining absolviert. Abends saß ich noch zwei Stunden auf dem Rad. Als ich dann am nächsten Tag loslief, war mein Körper bereits gefordert. Trotzdem wollte ich wissen, was möglich ist.

Die Strecke war vergleichsweise flach. Über die gesamte Distanz kamen rund 400 Höhenmeter zusammen. Wer in den Bergen trainiert, weiß: Man läuft erst runter, dann wieder hoch. Genau das mag ich mittlerweile. Es macht Spaß und bringt zusätzliche Belastung ins Training.

Was mich an diesem Lauf fasziniert hat, war die Erkenntnis, dass das eigentliche Laufen überraschend leicht war.

Sobald ich im Rhythmus war, fühlte sich alles gut an. Keine großen Schmerzen. Keine Beschwerden. Keine Stelle, die Probleme machte. Natürlich war es anstrengend. Natürlich tat es weh. Aber auf eine Art, die sich kontrollierbar anfühlte.

Das Interessante war etwas anderes.

Der schwierigste Moment war nie das Laufen selbst.

Es war das Wieder-Anlaufen.

Nach jeder Kreuzung. Nach jedem Stoppschild. Nach jedem kurzen Gehen.

Immer wieder diesen Schritt zurück ins Laufen machen.

Der Kopf begann sofort zu verhandeln.

„Es ist anstrengend.“
„Es tut weh.“
„Bleib doch kurz stehen.“

Doch sobald ich wieder lief, war alles gut.

Körperlich habe ich gemerkt, wie viel sich verändert hat. Die Knie, die früher immer wieder Thema waren, fühlen sich stabil an. Alte Problemstellen sind verschwunden. Das Vertrauen in meinen Körper wächst mit jedem langen Lauf.

Was ich jetzt deutlich spüre, ist vor allem die notwendige Regeneration. Heute fühle ich mich müde. Erschöpft. Der Körper fordert seine Ruhe ein.

Und genau das ist ein gutes Zeichen.

Parallel beschäftige ich mich immer intensiver mit dem SwissAlps 100.

Bisher hatte ich die Strecke zwar im Kopf, aber eher grob. Jetzt fühlt es sich an, als wäre der richtige Zeitpunkt gekommen, tiefer einzusteigen. Die einzelnen Abschnitte aufzuteilen. Geschwindigkeiten zu planen. Versorgung zu strukturieren. Den gesamten Ablauf immer klarer vor Augen zu haben.

Je näher das Event rückt, desto mehr Vorfreude entsteht.

Auch beim Thema Ernährung lerne ich weiter dazu.

Bei meinem 37-Kilometer-Lauf vor einigen Wochen war die Versorgung deutlich besser. Diesmal hatte ich während der drei Stunden nur ein paar Riegel und Gels dabei. Das war zu wenig. Vor allem, weil der Lauf am Nachmittag stattfand und die Energiezufuhr über den Tag anders war.

Genau dafür sind diese Trainings da.

Nicht nur, um Kilometer zu sammeln.

Sondern um herauszufinden, was funktioniert und was nicht.

Eine weitere Erkenntnis: 30 Kilometer werden vermutlich das Maximum bleiben, das ich regelmäßig auf flachen Strecken laufe. Es macht mir einfach deutlich weniger Spaß als in den Bergen. Dort vergeht die Zeit anders. Die Landschaft trägt mit. Die Höhenmeter machen jede Stunde abwechslungsreicher.

Vergangenen Donnerstag stand zusätzlich ein sehr intensives Maximalkrafttraining auf dem Plan.

Am Freitagabend ging es dann in die Schweiz zu meinem Freund Daniel, der die Goldene Gans initiiert hat.

Wir haben den Samstag genutzt, um einen echten Männertag zu verbringen.

Sauna. Gespräche. Ruhe.

Bei den aktuellen Temperaturen war das fast schon absurd und gleichzeitig unglaublich gut. Einen ganzen Tag bewusst rausnehmen. Zeit haben. Reflektieren. Abschalten.

Heute bin ich bereits wieder zweimal aktiv gewesen.

Zuerst eine lockere Laufrunde über zehn Kilometer. Später noch ein intensives Krafttraining.

Meine Hose war danach so nass geschwitzt, als hätte ich sie direkt aus dem Waschbecken gezogen.

Der Lauf heute hatte vor allem einen Zweck: testen.

Denn am Donnerstag wartet etwas Neues.

Mein erster Nachtlauf.

Gegen 19 Uhr werde ich loslaufen und anschließend acht bis zehn Stunden unterwegs sein.

Ich habe mir bewusst eine Runde ausgesucht, die nah an meinem Ausgangspunkt vorbeiführt. So kann ich Wasser, Verpflegung und alles Notwendige an einer Stelle deponieren. Ich muss nicht alles mitschleppen und habe gleichzeitig die Sicherheit, jederzeit reagieren zu können.

Ich bin gespannt, was die Nacht mit mir macht.

Wie sich der Körper verhält.

Wie der Kopf reagiert.

Und welche Erkenntnisse auf mich warten.

Denn genau darum geht es am Ende.

Nicht nur darum, Kilometer zu sammeln.

Sondern herauszufinden, wer du wirst, wenn du immer wieder bereit bist, weiterzugehen.

Kreiere einen geilen Tag.

Let’s go.

Raphael

Keep Reading