Hey,
ich schreibe diesen Letter nach dem wir seit 3 Woche in Pegeia leben.
Kristina und ich haben uns ziemlich oft aneinander gerieben.
Nicht so wie man es sich körperlich wünscht ;-)
Aber auch nicht wegen großer Themen.
Wegen Entscheidungen, die einer von uns getroffen hat, ohne den anderen zu fragen. Wegen Dingen, die gesagt, aber nicht wirklich kommuniziert wurden.
Ich kenne dieses Muster von früher ziemlich gut.
Ich wollte nie derjenige sein, der sich öffnet und sagt, was in mir vorgeht, aus Angst davor, verletzt zu werden oder dass es gegen mich verwendet wird.
Also habe ich lieber geschwiegen, oder ich habe recht haben wollen, um mich kurz besser zu fühlen.
Mit Kristina haben wir das über die Jahre verändert, unter anderem mit unserem Beziehungsmeeting.
Aber in den letzten Wochen haben sich manche Reflexe trotzdem wieder eingeschlichen, sobald der Alltag mit Kind und Terminen dichter wird.
Bei uns ging es konkret darum, dass Entscheidungen getroffen wurden, ohne den anderen vorher einzubeziehen. Und dass Dinge, die wir uns gegenseitig zugesagt hatten, nicht eingehalten wurden. Kleinigkeiten, die sich aber aufsummiert haben.
Ich bin gut darin zu sagen: “Ja ich mache die Spülmaschine nachher an.” Und vergesse es.
Oder: “Klar bringe ich noch Melone mit vom Supermarkt.” Und komme ohne nach Hause.
Ich habe die Ausrede, dass mein Gehirn anders funktioniert und ich sowas nicht richtig abspeichere.
Ich könnte aber auch sagen: Ich fokussiere mich jetzt noch mehr darauf, wie ich Kristina und Lio unterstützen kann, indem ich tue, was ich sage.
Das halte ich für kraftvoller und ist ein wichtiger nächster Schritt für mich.
Wir haben uns danach hingesetzt und offen darüber gesprochen, was im anderen dadurch ausgelöst wird. Nicht um recht zu haben, sondern um zu verstehen, was der andere gerade braucht.
Am Ende sind dabei ein paar sehr konkrete, fast schon unspektakuläre Regeln rausgekommen:
Sie sendet mir alles per WhatsApp was ich mitbringen soll.
Die Spülmaschine anmachen, wenn man abends ins Bett geht.
Zusagen einhalten, auch die kleinen, auch wenn sie unbequem gerade sind.
Nichts davon ist romantisch. Nichts davon würde in einem Film vorkommen.
Aber das war mein Gedanke danach:
Vertrauen entsteht nicht durch die großen Gesten, die man sich ab und zu macht. Es entsteht durch diese kleinen, unsexy, wiederholten Handlungen im Alltag.
Durch die Nachricht, die man schreibt, obwohl es gerade unpraktisch ist. Durch die Spülmaschine, die man anmacht, obwohl man keine Lust hat. Durch die Zusage, die man einhält, auch wenn gerade kein Grund dafür sichtbar ist.
Diese Dinge sind leicht zu übersehen, weil sie klein sind. Aber sie entscheiden darüber, ob sich zwei Menschen über Jahre aufeinander verlassen können oder nicht.
Was ist in unserer Beziehung noch möglich, wenn ich mehr mein Wort, in diesen kleinen, vermeintlich kleinen Dingen halte?
Bis bald,
Raphael
PS: Kennst du das, oder tust du was du sagst?